Gratis-Leseprobe: Bildung als Geld


>>Einführung


Liebe Leserin, lieber Leser,


das Bildungssystem in Deutschland ist chronisch
unterfinanziert! Die Klassenverbände sind zu groß,
Schulgebäude mangelhaft ausgestattet. Vielen
Lehrkräften fehlt es an pädagogischen Kompetenzen.
Lehrpläne sind ja fast schon „Leerpläne“. Die
Kultusministerien schweben wie ein Raumschiff über
den Schulen, abgehoben, jeglichen Kontakt zur Realität
abgebrochen. Politiker vieler Bundesländer stemmen
sich gegen nennenswerte Investitionen in den
Bildungsbereich. Stattdessen werden Lehrer- und
Schülerschaft durch Mehrarbeit und Turboabitur
belastet. Gute berufliche Perspektiven sind weiterhin
abhängig von finanziellen Möglichkeiten der Eltern. Es
gibt keine Chancengleichheit! Das Projekt „Inklusion an
Schulen“ fährt keinen klaren Kurs. Es mangelt in der
Politik entweder stets an kreativen Ideen oder an Willen,
diese umzusetzen.
Das Bildungssystem der Bundesrepublik
Deutschland ist an die Wand gefahren. Reformpakete
reichen bei Weitem nicht mehr aus. Wir brauchen eine
Bildungsrevolution! Schulkinder sollen miteinander,
voneinander und nicht gegeneinander lernen. Kreative
Köpfe sollen gefördert, soziale Kompetenzen geschult
werden.
Sie halten dieses Buch in den Händen und fühlen
sich konfrontiert mit unzähligen Defiziten. Vielleicht
mag es zunächst sehr kritisch oder pessimistisch
erscheinen.
Mein Buch wird Sie aufklären über den Alltag an
deutschen Schulen und Ihnen Lösungsvorschläge
darlegen, damit Ihre Kinder wieder mit Spaß zur Schule
gehen können. Ja, sie sollen wieder realisieren, wie
wichtig gute Bildung ist und dass ihnen alle beruflichen
Türen offenstehen – und das unabhängig von Herkunft
und Kapital! Deswegen habe ich dieses Buch verfasst –
nicht, um die Kultuspolitik nur zu kritisieren und zu
verschrecken, sondern viel mehr, um den Dialog zu
fordern sowie die direkte Kommunikation von
Kultuspolitik mit Lehrer-, Schüler- und Elternschaft zu
finden.
Dieses Buch soll begeistern, bewegen und
verändern, daher wird es intuitiv gelesen. Es soll Sie
animieren!
Blicken Sie hinter die Fassade unseres Schulsystems!
Ich liefere Ihnen Interviews mit Verantwortlichen aus
der Kultuspolitik und Ergebnisse von Umfragen. Auch
wird das dreigliedrige Schulsystem hinterfragt, neu
konstruiert und der Föderalismus im deutschen
Bildungssystem kritisch beleuchtet. Die Suche nach
Alternativen ist wichtiger als die völlige Stagnation.
Getrieben von Wut, Willen und Hoffnung, schreibe ich
meine Erfahrungen aus dem Schulalltag und alle meine
kreativen Ideen zur Verbesserung des deutschen
Schulsystems nieder. Sie können Teil dieser
Bildungsrevolution werden. Wir müssen gemeinsam
über politische Kompromisslösungen nachdenken und
gleichzeitig bereit sein, das gesamte System
umzustrukturieren und Mehrausgaben zu tätigen.
Deutschland soll bei internationalen Bildungsvergleichen

bessere Ergebnisse erzielen, sodass es auch national

geschlossen und einheitlich hinter
einem transparenten Bildungssystem steht.
Es soll zum Ausdruck gebracht werden, dass die
Bundesrepublik nachhaltig in ihre Zukunft investieren
darf und das Schulsystem in etwa der finanziellen und
wirtschaftlichen Position Deutschlands entsprechen
muss.


Mit freundlichen Grüßen


Marius Müller

Kapitel eins

>>Schulalltag


Der Schulalltag wirkt sehr reglementiert und läuft
aufgrund eines festgelegten Stundenplans sehr geordnet
ab. Dies ist sicherlich nicht als triftigen Nachteil zu
bezeichnen, denn so wissen Schülerinnen und Schüler
nahezu immer, welche Unterrichtseinheit sie am
nächsten Tag erwarten wird; steht Mathematik auf dem
Stundenplan, so können Schulkinder davon ausgehen,
dass sie am nächsten Tag ihr Mathematikbuch und -heft
mitzubringen haben; es sei denn, der Vertretungsplan
sieht eine Stundenplanänderung für den nächsten Tag
vor. Im Unterricht werden in der Regel zuerst die
Hausaufgaben verglichen, bereits hier wird es im
Unterrichtsraum sehr laut: Alle schreien meistens
durcheinander. „Was war denn auf?”, durchdringt nicht
gerade selten unverwundert meinen Gehörgang.
Danach werden andere Aufgaben bearbeitet, oder die
Lehrkraft führt zu einem neuen Thema hin; langsam
kehrt Ruhe in der Klasse ein, und es bildet sich das
übliche Bild: Von 32 Schülern melden sich acht öfter,
drei gelegentlich und 21 fast nie. Dann stören aber noch
einmal ungefähr vier Schüler, welche vom ohnehin
schon genervten Lehrer regelmäßig ermahnt werden
müssen. Es ist eine gleichgroße Belastung für die
Schulkinder und die teils überforderte Lehrkraft.
Am Ende der Unterrichtsstunde sagt die Lehrerin oder
der Lehrer die Hausaufgaben an, welche dann aber
sowieso ungefähr zehn Prozent der Klasse – aus
welchen Gründen auch immer – nicht anfertigen
werden; somit wird Lehrers Strichliste vereinzelt immer
länger und länger. Die Zeit, welche die Hausaufgaben in
Anspruch nehmen darf, wurde im Januar 2012 in
Niedersachsen neu festgelegt:
Fünfte bis sechste Klasse: 60 bis 90 Minuten pro Tag
Siebte bis zehnte Klasse: 90 bis 120 Minuten pro Tag
ln Jahrgangsstufe zehn kann die tägliche Arbeitszeit
wegen der Vorbereitung auf die Oberstufe geringfügig
über das genannte Maß hinausgehen.
Hausaufgaben werden so konzipiert, dass die
Schülerinnen und Schüler jeweils am letzten Tag vor
dem Wochenende die Möglichkeit haben, sie erledigen
zu können, sodass das Wochenende selbst von
Hausaufgaben frei bleibt. Dieses gilt auch für
verlängerte Wochenenden und Feiertage.
(Quelle: Niedersächsischer Erlass für Hausaufgaben,
Stand: Anfang 2012.)
Meiner Meinung nach ist diese Regelung ein Schritt
in die richtige Richtung, so können sich Schülerinnen
sowie Schüler zumindest am Wochenende erholen und
ihre Freizeitaktivitäten (sofern nicht durch Unterricht
eingeschränkt; etwas, dass leider jedoch unvermeidlich
selten der Fall ist) aufgrund weniger Hausaufgaben
ungebundener, das heißt uneingeschränkter, nutzen
beziehungsweise planen.
Als eine weitere Neuerung ist das in immer mehr
Schulen Einzug erhaltende Doppelstundenmodell zu
bezeichnen. Durch diese Einführung haben
Schülerinnen wie auch Schüler bei sechs Stunden
Unterrichtszeit maximal nur noch drei, anstatt der
herkömmlichen sechs Fächer auf ihrem Stundenplan
stehen. Somit wird zum einen eine Verringerung der
Zeit, welche die Hausaufgaben nahezu täglich 

(von Montag bis Freitag) in Anspruch nimmt, angepeilt und
zum anderen auch das Gewicht des Schulranzens, 

in welchen ja jetzt nur noch höchstens drei Schulbücher
bei sechs Stunden Unterricht gepackt werden müssen,
deutlich verbessert. Dabei muss man unbedingt

bedenken, auf welches Gewicht eine Schultasche
schnell kommen kann; zehn Prozent des
Körpergewichtes eines gesunden Schülers sind für mich
die Obergrenze, welche jedoch insbesondere bei der
Schulbücherausgabe, auf welche ich im Verlauf des
Buches ausführlicher eingehen werde, auch schon
einmal auf Kosten des Rückens überschritten werden
kann. Dies verdeutlicht die Wichtigkeit sowie die
Vorteile des Doppelstundenmodells.
Fast ganz nebenbei wird durch diese Neuerung auch
zur Verbesserung des Lernklimas innerhalb der Klasse
im Unterricht beigetragen, weil sowohl die Lernenden
als auch die Lehrkraft mehr Zeit, das heißt 90 Minuten
(nicht mehr nur 45 Minuten), während der
Unterrichtszeit in Anspruch nehmen können. Somit
vermindert sich meiner Meinung nach, welche auch von
Experten geteilt wird, der Zeitdruck in den einzelnen
Schulstunden: Schüler haben gemeinsam mit ihrem
Lehrer mehr Zeit zum Lernen und besitzen dadurch die
Möglichkeit, ein begonnenes Thema oder eine
begonnene Aufgabe sachgemäß und mit wenig Unruhe
im Hinblick auf die zeitliche Einschränkung zu beenden
beziehungsweise länger fortzusetzen, als es die
ursprüngliche Zeiteingrenzung vorsieht.
Doch bekannterweise lassen sich leider nur sehr selten
Vorteile ohne Nachteile erschaffen. So hat auch das von
mir begrüßte und sogar gelobte Doppelstundensystem
zwei zwar nicht gravierende, aber keinesfalls zu
vernachlässigende Nachteile aufweist. Einmal stehen da
die bedingt auftretenden Konzentrationsschwierigkeiten
auf der Seite der Gegenargumente, welche bei Schülern
aufgrund einer ja doppelt so langen Konzentrationszeit
von 90 Minuten (bisher waren es „nur” 45 Minuten)
eingeschränkt auftreten könnten.
An meiner Schule, die das Doppelstundenmodell
ebenfalls seit ein paar Jahren vertritt, wird deshalb von
manchen Lehrern rechtswidrig nach ungefähr 50
Minuten eine kleine Pause eingelegt, in der es den
Schülerinnen und Schülern gestattet ist, Essen oder
Getränke zu sich zu nehmen. Somit ist die Lehrkraft in
der Lage, die Konzentration bei ihren Schulkindern
möglichst hoch zu halten. Im konventionellen System
sind an diesen Stellen aber keine Pausen vorgesehen,
denn sonst könnte man den Unterrichtszeitabschnitt ja
wohl nicht mehr als reine Doppelstunde bezeichnen.
Dennoch: Mit der Einführung einer solchen
dreiminütigen Pause könnte man den ersten Punkt aus
der Auflistung der zwei Nachteile des
Doppelstundensystems streichen, und es bliebe somit
nur noch ein, jedoch schwieriger zu lösendes, Problem
übrig.
Durch die längere Zeitdauer einer Unterrichtsstunde
werden die Schulfächer zeitlich im Hinblick auf die zu
erfüllenden Wochenstunden zwar gleich, aber nicht so
regelmäßig, wie dieses bei Einzelstunden möglich ist,
unterrichtet.
Hier möchte ich diese Begebenheit durch ein
Beispiel verdeutlichen.
Für das schulische Hauptfach Deutsch sollen in der
Regel für die Unter- und Mittelstufe am Gymnasium
vier Schulstunden pro Woche, das sind wie genannt
dann vier mal 45 Minuten, erteilt werden.
Einzelstundenmodell
Deutsch am Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag
(jeweils 45 Minuten, Summe: 180 Minuten)
Doppelstundenmodell
Deutsch am Dienstag und Donnerstag (jeweils 90
Minuten, Summe: 180 Minuten)
Ich denke, dass es hierbei keiner weit ausgeführten
Erklärung meinerseits bedarf, jedoch sollte jede meiner
Leserinnen und jeder meiner Leser feststellen können,
dass beim Doppelstundensystem im Gegensatz zu dem
Einzelstundenmodell nur an zwei Tagen Deutsch auf
dem Stundenplan steht; das andere Schulstundensystem
sieht aber an vier Tagen Deutschunterricht vor; wenn
auch nur halb so lange wie bei dem
Doppelstundenmodell.
Insgesamt gesehen sind Doppelstunden aber
aufgrund mehr Vor- als Nachteile eher als positiv
einzustufen und damit sinnvoll.
Am Ende ihres Schultages, sei er nun mit Einzeloder
Doppelstunden bestückt, verlassen alle
Schülerinnen und Schüler das Schulgebäude. Manche
aßen dort schon ihr Mittagessen (in Ganztagsschulen,
welche in der Regel von acht bis sechzehn Uhr
andauern, ist dieses natürlich genauso wie die
Hausaufgabenbetreuung beziehungsweise -hilfe immer
der Fall), andere werden es zu Hause zu sich nehmen.
Zudem warten die Hausaufgaben darauf, rechtzeitig
sowie richtig angefertigt zu werden; ob man sie alleine
oder mit einer Hilfe, zum Beispiel mit einem
Nachhilfelehrer bearbeitet, muss jeder am besten für
sich entscheiden.
Am Abend senkt sich die Sonne über viele
gestresste, aber auch teils glückliche Schulkinder, für
die sich dieser in Kapitel eins beschriebene Ablauf wohl
noch viele Jahre wiederholen wird.
In Kapitel zwei werde ich dann auf die dortigen
Missstände aufmerksam machen.
(Im Konkreten meint dies, dass ich von deskriptiven
zu fast normativen Darstellungen wechseln werde.)

Kapitel zwei A
>> Defizite im deutschen Bildungssystem


Ich werde in diesem Kapitel folgende Defizite
aufdecken, genau beschreiben und dazu sachlich richtig
sowie rein objektiv (bei der Äußerung meiner eigenen
Meinung lässt sich die Objektivität ausschließen)
argumentieren; auch werden Beispiele, von mir selbst
mit Hilfe einer Schülerbefragung an meiner Schule
herausgefunden, genannt: Gebäudeausrüstung,
Klassengröße, Lehrerkompetenzen, Lehrpläne,
Föderalismus, Lernarten, G8-Abitur, dreigliedriges
Schulsystem und Benotung sowie kürzere Unterthemen.
Ich weiß noch, wie lange es her ist, als ich die
Grundschule besuchte. Sie war in einem älteren
Gebäude untergebracht. Jetzt wurde sie zwar saniert,
jedoch möchte ich nun die Seite vor ihrer Sanierung
ausgiebig beleuchten, denn auch diese nimmt einen
großen Platz in der Geschichte dieser Grundschule ein.
Die Fenster waren aus Holz und hatten schon seit
geraumer Zeit keine Farbe mehr zu sehen bekommen.
Die Toiletten konnte man niemals ohne Ekel benutzen.
Um es kurz auszudrücken, war es kein Gebäude, dass
den Anforderungen an eine Schule nach meinen
Vorstellungen, in der man in hellen und freundlichen
Räumen gut lernen und dabei Spaß haben können sollte,
auch nur im Geringsten gerecht wurde.
Aber Moment! Haben Sie es richtig gehört?
Wenn dieser besagte Bau nun wirklich nicht für eine
Grundschule genügte, so hätte er doch eigentlich
verständlicherweise auch nicht als diese benutzt werden

 

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